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Zwei Tage auf der Brains on Silicon 2026

AISocial

Logo der Brains on Silicon auf blau-violettem Hintergrund

Die Brains on Silicon ist eine Konferenz für angewandte KI in Unternehmen. Am 14. und 15. September 2026 kamen im Internationalen Congress Center Dresden Menschen zusammen, die KI entwickeln, einführen oder bereits in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Ich war mit Robert für esveo dabei. Zwischen Vorträgen und Gesprächen ging es für mich immer wieder darum, wie sehr sich unsere Arbeit schon verändert hat und wie viel Veränderung noch vor uns liegen könnte. Konferenz

Eine Frage an den Saal

In einem Vortrag von OpenAI wurde gefragt, wer ChatGPT nutzt. Fast alle Hände gingen nach oben. Bei der nächsten Frage waren es nach meinem Eindruck nur noch ungefähr halb so viele: Wer übergibt einem Sprachmodell bereits vollständige Aufgaben?

Ich war zunächst überrascht. Ganze Aufgaben an Agenten zu übergeben, gehört inzwischen zu meinem Alltag. Die Abstimmung machte mir bewusst, wie schnell ich diese Arbeitsweise zum Maßstab für andere gemacht hatte. Im selben Raum saßen Menschen, die ganz unterschiedliche Erfahrungen mit KI mitbrachten. Für einen Teil war der Schritt vom Chat zu einem Agenten noch neu, während andere bereits ihre Arbeitsabläufe darum herum veränderten.

Ein Preiswechsel verändert meinen Alltag

Bei uns begann dieser Schritt mit einer Preisänderung. GitHub führte im Sommer 2026 eine nutzungsbasierte Abrechnung für GitHub Copilot ein. Das war für uns der Anlass, zu Claude Code zu wechseln. Eine geplante Umstellung unserer gesamten Arbeitsweise steckte damals nicht dahinter. Ankündigung von GitHub

Mit dem Wechsel rückte für mich der einzelne Codeausschnitt aus dem Mittelpunkt. Ich begann, größere Aufgaben zu übergeben. Statt nur eine Funktion schreiben zu lassen, konnte ein Auftrag jetzt lauten: Starte die Pipeline, beobachte sie auf Fehler und behebe die Ursache. Damit übergab ich auch die Schritte zwischen dem ersten Versuch und einem funktionierenden Ergebnis.

Erst nach und nach merkte ich, wie sehr sich dadurch mein Arbeitstag veränderte. Der Werkzeugwechsel hatte mich dazu gebracht, Aufgaben anders zu formulieren und größere zusammenhängende Abläufe auszuprobieren. Deshalb kamen mir mehrere Themen auf der Konferenz bereits vertraut vor.

Warum ein neuer Motor allein wenig verändert

Roman Howe von Anthropic lieferte dafür ein anschauliches Bild. In seinem Vortrag verglich er die Einführung von KI mit der Elektrifizierung von Fabriken. In dieser Analogie entsteht der größere Produktivitätseffekt erst, wenn sich mit dem Antrieb auch die Organisation der Arbeit verändert. Ein neuer Motor in einer unveränderten Fabrik schöpft die Möglichkeiten der Technik noch nicht aus.

Zeitstrahl zur Elektrifizierung von Fabriken zwischen 1882 und den 1920er-Jahren
Die Elektrifizierung dient im Vortrag als Vergleich: Neue Technik entfaltet ihr Potenzial erst, wenn Unternehmen auch ihre Arbeitsabläufe verändern.
Quelle: Roman Howe, Head of DACH and CEE bei Anthropic, Präsentation auf der Brains on Silicon 2026.

Ich musste dabei an unseren Wechsel denken. Anfangs hatte ich ein anderes Werkzeug gesucht. Inzwischen übergab ich Aufgaben, die ich vorher in einzelne Schritte zerlegt und selbst begleitet hatte. Der Vergleich half mir, diese Veränderung einzuordnen. Er erklärte auch, warum es Zeit braucht, bis Unternehmen neue technische Möglichkeiten im Alltag nutzen können.

Wir stehen noch am Anfang der Kurve

Für Robert war Howes Blick auf die kommenden Jahre besonders interessant. Während Unternehmen ihre Abläufe an die heutigen Möglichkeiten anpassen, entwickelt sich die Technik weiter. Eine der gezeigten Folien stellte die These auf, dass wir bisher erst den flachen Teil der Entwicklungskurve erlebt haben.

Einen messbaren Anhaltspunkt liefert eine Untersuchung von METR aus dem März 2025. Sie beschreibt, wie die Länge von Software- und Denkaufgaben zunahm, die KI-Agenten mit 50 Prozent Erfolgswahrscheinlichkeit bewältigen konnten. Gemessen wurde die Länge daran, wie viel Zeit Menschen mit passender Fachkenntnis für diese Aufgaben brauchten. Im untersuchten Zeitraum verdoppelte sich dieser Zeithorizont ungefähr alle sieben Monate. Das ist eine Beobachtung unter Testbedingungen; für die weitere Entwicklung bleibt es eine Fortschreibung. Untersuchung von METR

Fortschreibung des Aufgaben-Zeithorizonts von KI-Modellen bis 2029 im Vergleich zu einer linearen Planung
Die Grafik schreibt den seit 2024 beobachteten Trend mit einer Verdopplung alle 131 Tage fort. Die zukünftigen Zeitpunkte sind Projektionen; die Stunden beziehen sich auf die menschliche Bearbeitungszeit der Aufgaben. Der im Text genannte historische Durchschnitt beträgt rund sieben Monate.
Quelle: Roman Howe, Head of DACH and CEE bei Anthropic, Präsentation auf der Brains on Silicon 2026.

Howes Ausblick geht damit über die Frage hinaus, wie Unternehmen heutige Werkzeuge einführen. Wenn sich der Trend fortsetzt, könnten Agenten Aufgaben übernehmen, deren Umfang unsere heutigen Abläufe deutlich übersteigt. In dieser Perspektive stehen auch diejenigen noch am Anfang, die bereits täglich ganze Aufgaben delegieren.

Diesen Gedanken fand ich an Roberts Ergänzung besonders hilfreich. Meine vertraute Arbeitsweise wäre dann selbst nur eine frühe Zwischenstufe. Während ich noch lerne, mit den heutigen Agenten sinnvoll zu arbeiten, könnten neue Fähigkeiten erneut verändern, welche Aufgaben ich überhaupt übergeben kann. Dass mir auf der Konferenz manches bekannt vorkam, sagt deshalb wenig darüber aus, wie gut ich auf die nächsten Jahre vorbereitet bin.

Welche Fragen ich gern vertieft hätte

Einige Vorträge blieben für meinen Bedarf zu nah an den Grundlagen. Dass ein Agent von passenden Unternehmensdaten profitiert, ist in meiner täglichen Arbeit schon eine praktische Erfahrung. Manche Beiträge wirkten auf Robert und mich eher wie Produktpräsentationen. Gleichzeitig konnte ich nach der Abstimmung im Saal besser verstehen, warum solche Einstiege einen Platz im Programm haben.

Bei mehreren Vorträgen zu Microsoft Copilot wurde die Wahl zwischen Modellen als Freiheit dargestellt. Ich hätte gern mehr darüber gehört, wie leicht sich auch die Werkzeuge, Rechte und eingerichteten Abläufe später übertragen lassen. Skills und MCP kamen zur Sprache, allerdings überwiegend als Überblick. Gerade bei den Erfahrungen mit dem täglichen Einsatz hätte ich gern länger zugehört.

Solche Gespräche ergaben sich zwischen den Vorträgen. Mit einem Engineer aus einem KI-Unternehmen sprach ich über den Sog des nächsten Prompts und darüber, wie anstrengend drei oder vier parallele agentische Projekte an einem Tag sein können. Diese Mischung aus Produktivität und Erschöpfung kannte ich aus meiner eigenen Arbeit. Wir konnten direkt über unsere Erfahrungen sprechen.

Was ich mir für die nächste Ausgabe wünsche

Die Brains on Silicon war sehr gut organisiert. Ich freue mich, dass es dieses Format in Dresden gibt, und danke Stefan Queißer, der CONFGAMES GmbH und dem gesamten Veranstaltungsteam dafür. Eine Konferenz, auf der sich Menschen aus der KI-Entwicklung und der betrieblichen Praxis persönlich begegnen, ist ein Gewinn für Dresden und Sachsen. Veranstalter

Für eine nächste Ausgabe wünsche ich mir zusätzlich mehr Raum für konkrete Erfahrungen mit längeren agentischen Abläufen. Wie verändern Teams ihre Aufgabenverteilung, was funktioniert im Alltag und wo müssen Menschen eingreifen? Dazu könnte ich mir gut vorstellen, selbst Erfahrungen beizutragen. Gerade wenn wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen, möchte ich auch im nächsten Jahr hören, was andere inzwischen ausprobiert haben.